Jahresthema 2011

50 Jahre TelefonSeelsorge in Lübeck.

 

50 Jahre hören – zuhören – gehört werden.

Vor 50 Jahren, am 17. April 1961, wurden in einem kleinen Gartenhäuschen auf dem Grundstück der ev. Kirchekanzlei in Lübeck die ersten Gespräche am Telefon geführt. Seitdem finden Menschen, die ein Gespräch benötigen, bei uns jeden Tag rund um die Uhr jemanden, der ihnen offen zuhört und mit Wertschätzung begegnet. Kostenfrei. Anonym.Vertraulich.

Das möchten wir mit Ihnen in diesem Jubiläumsjahr feiern. Deshalb gibt es über das Jahr verteilt verschiedene Veranstaltungen, die auf dieses Ereignis hinweisen.

Wir beginnen mit einer Fachtagung, die geistige und emotionale Anregungen zu einem speziellen Thema geben soll:

> Freitag, 25. März 2011: Fachtagung zum Thema: „Kriegskinder, Kriegsenkel- die langen Schatten des Krieges“ mit den Referenten Prof. Dr. med. Michael Ermann aus München und der Autorin Sabine Bode aus Köln (Anmeldungen über die Geschäftsstelle der TS).

Wir feiern einen Jubiläumsgottesdienst:

> Sonntag, 10. April 2011, ab 10.15 Uhr in St. Petri, Lübeck: öffentlicher Jubiläums-Gottesdienst zum Thema: „Hab` ich Dein Ohr nur, find` ich schon mein Wort“. Unter Mitwirkung des Kammerchores I Vokalisti unter der Leitung von Hans-Joachim Lustig und dem Saxophonisten Stefan Kuchel. Mit anschließendem Fachvortrag des Leiters der TelefonSeelsorge auf EKD-Ebene Dr. Bernd Blömeke: „TelefonSeelsorge- Halt im Wandel suchen.“ Mit anschließendem Stehempfang.

Wir teilen unsere Kompetenz im zuhören mit Ihnen:

> Freitag/Samstag 19./20. August: workshop „Sensibilisieren für`s Zuhören“ im Rahmen der vhs Lübeck“

EIN OHR DAS ZUHÖRT

„In der Zeit der Plauderei, in der Zeit der Beliebigkeit von Begegnungen ist es wichtig, dass es ein Ohr gibt, das zuhört. Die TelefonSeelsorge ist….wirklich nicht nur die Stimme der Engel, sondern auch das Ohr der Engel.“

aus der Rede von Bundespräsident Johannes Rau anlässlich des „Tages der Ehrenamtlichen in der TelefonSeelsorge“ am 24.11.2001 in Mainz

WAS ZU UNS GE-HÖRT

Wußten Sie eigentlich,

  • dass unser Gesprächs- und Beratungsangebot bei Tag und Nacht gilt, verschwiegen ist, anonym, datengeschützt und kostenfrei?
  • dass in Lübeck jeden Tag 60-80 Gespräche geführt werden und an andere Hilfeeinrichtungen kompetent weitervermittelt wird?
  • dass ein Bundesfachverband für alle 105 TelefonSeelsorgestellen in Deutschland gemeinsame und hohe Standards für die Aus- und Fortbildung aufstellt?
  • dass wir unseren christlichen Werte und die spirituellen Wurzeln unseres Lebens erfahrbar machen wollen, reflektieren und ins Gespräch bringen?
  • dass ständige Qualitätssicherung im Hinblick auf unsere Aufgaben, das Miteinander und unsere Verortung in Kirche und Gesellschaft uns wichtig ist?
  • dass wir uns einer kontinuierlichen Auseinandersetzung stellen mit gesellschaftlichem Wandel und Lebensbedingungen, besonders dem veränderten Kommunikationsverhalten?
  • dass wir nicht nur mit anderen seelsorgerlichen und sozialen Einrichtungen vor Ort zusammenarbeiten, sondern mit anderen help-lines weltweit vernetzt sind auf der Basis der Menschenrechtserklärungen der Vereinten Nationen von 1958?
  • dass rund 100 Frauen und Männer in Lübeck stillschweigend diesen Dienst am nächsten tun, unentgeltlich, mit großem Engagement und viel Herzblut?
  • dass im vergangenen Jahr von 118 Gesprächspartnern mit Selbsttötungsabsichten fast alle mit neuem Lebensmut aus dem Gespräch herausgegangen sind?

 


Was uns unsere Ehrenamtlichen zu hören geben

Die TS ist für mich eine enorme Bereicherung. Nicht nur im Hinblick auf den Inhalt und die Art des Ehrenamts, sondern ganz besonders auch durch die Menschen, die bei der TS arbeiten. Viele sind für mich Vorbilder, wie ich mit Älterwerden und schwierigen Lebenssituationen umgehen kann. Mich empfangen Wärme und Wohlwollen bei der TS, und das ist ein ganz starker Rückhalt auch für mich persönlich.

Davon einmal ganz abgesehen, ist die Qualität der Aus- und Weiterbildung bei der TS ganz hervorragend. In der Wirtschaft zahlt man für Ihre Seminare locker einige Tausend Euro.

Ich möchte mich wirklich ganz ausdrücklich bei Ihnen, Frau Böhrk-Martin, und allen Menschen um Sie herum für all das bedanken, was Sie für uns tun. Es ist eine große Leistung, die Sie sicherlich nicht nur während der offiziellen Arbeitszeit erbringen. Vielleicht sollte ich mich daher auch bei Ihrer Familie bedanken?

Und was ich auch noch sagen möchte: Die Räumlichkeiten sind wunderbar, und wir werden mit Getränken, Knabbereien und Süßigkeiten verwöhnt. Es steht immer eine frische Blume im Dienstraum. Es ist wirklich etwas Besonderes, zur TS dazu zu gehören.

Viele herzliche Grüße!

Ihre Inken Purschke

 

 

 

Jahresthema 2010

 

Suizid im Alter
Schwerpunktthema der TelefonSeelsorge Lübeck in 2010



Die TelefonSeelsorge in Lübeck will sich in diesem Jahr verstärkt um ältere Menschen kümmern. Mit dem neuen Slogan "Sorgen kann man teilen" wirbt sie für Menschen, die über 60 Jahre alt sind.
In Deutschland scheiden Jahr für Jahr mehrere tausend ältere Menschen durch Selbsttötung aus dem Leben. Fast alle zwei Stunden legt ein Mensch über 60 Jahre Hand an sich. "Am liebsten wäre ich tot" hören die Mitarbeiterinnen der TelefonSeelsorge von Menschen, die im Alter durch den Tod des Ehepartners allein zurückgeblieben sind oder von Menschen, die ins Heim kommen. Wenn das Leben nicht mehr bewältigt werden kann, wenn durch zunehmende Untätigkeit über Jahrzehnte verdrängter Schmerz wieder ins Bewusstsein steigt, wenn Aufstehen und Anziehen zu unlösbaren Problemen werden, machen sie Ernst mit ihren Phantasien. Dabei ist die Dunkelziffer noch um vielfaches höher: auch wenn lebensnotwendige Medikamente nicht mehr genommen und Essen und Trinken eingestellt wird, spielt Suizidalität häufig eine Rolle.

Aufmerksam machen auf die Lebenssituationen älterer Menschen
Die TelefonSeelsorge Lübeck will mit diesem Schwerpunktthema an die Öffentlichkeit treten, um zu sensibilisieren und aufmerksam zu machen auf die Lebenssituation älterer Menschen, die sich, von allen verlassen, in einer von ihnen als aussichtslos erlebten Situation fühlen.

Das negative Altersbild der Gesellschaft ins Bewusstsein bringen
Denn reagiert die Öffentlichkeit bei Suiziden von jungen Menschen oder Menschen, die sich in der Mitte des Lebens befinden, mit großer Betroffenheit, wird der Suizid im Alter doch eher hingenommen. Das mag an dem negativen Bild von Alter liegen, das in unserer Gesellschaft vorherrscht. Denn die Lebenserfahrungen der älteren Menschen sind kaum gefragt, ihre Krankheiten gelten als negativer Kostenfaktor.

Unterstützen darin, ein sinnvolles Leben zu führen
Die allermeisten Menschen führen auch im Alter ein selbständiges und erfülltes Leben. Doch brauchen sie Unterstützung, neuen Lebensmut zu schöpfen, wenn sie aus Verzweiflung, Einsamkeit und Angst daran denken, ihr Leben zu beenden.

Die TelefonSeelsorge will mit mehreren Maßnahmen, die nach den Sommerferien beginnen, helfen:

  • einer Plakat-Aktion im gesamten Einzugsgebiet der TelefonSeelsorge Lübeck – das von Fehmarn bis nach Lauenburg an der Elbe reicht
  • dem Versenden von Info-Material an viele Alten – und Pflegeeinrichtungen, Altenclubs, Senioren-Treffs etc..
  • Vorträgen zu Suizidprävention im Alter und über die Arbeit der TelefonSeelsorge
  • einem Pressegespräch vor dem Welt-Suizidpräventionstag am 10. September, in dem über Hintergründe und Tendenzen, auch und besonders in der Lübecker Region und den umgebenden Landkreisen informiert wird.

Vor fast 50 Jahren ist die TelefonSeelsorge in Lübeck eingerichtet worden, um Selbsttötungen zu verhindern. Wie auch andere Beratungsstellen machen wir die Erfahrung, dass sich alte Menschen mit ihrer inneren Not und ihren Selbstttötungs - Absichten jedoch nicht so häufig an Institutionen wenden wie jüngere Menschen.
Vielleicht können Sie, liebe Leserein, lieber Leser, ihnen weitersagen, dass die TelefonSeelsorge für alle da ist, rund um die Uhr und an jedem Tag im Jahr. Mit uns können sie über ihre Ängste und ihre Verzweiflung sprechen. Wir versuchen zu verstehen und verurteilen nicht. Sorgen kann man teilen. Diese Erfahrung wünschen wir den alten Menschen, die bisher mit ihrem Kummer allein geblieben sind. Und manchmal lässt sich ein Weg aus der Dunkelheit ins Licht zurückfinden.

Marion Böhrk-Martin, Pastorin, Ehe- und Lebensberaterin, leitet die TelefonSeelsorge in Lübeck





 


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